ES LOHNT SICH, AUF DEN RUF GOTTES MIT „JA“ ZU ANTWORTEN
Zeugnis von Bruder Alois Höllwerth msp
Schon sind es fünf Jahre, seit ich aus Österreich aufgebrochen bin, um mein Probejahr in Cusco bei den „Missionaren, Diener der Armen der Dritten Welt“ zu machen, in der Hoffnung, den Ort zu finden, wo ich die von Gott empfangene Berufung verwirklichen könnte.
Schon seit dem Jahr des großen Jubiläums 2000 war ich auf der Suche «nach meinem Platz» in der Kirche, indem ich in meinem Herzen diese Frage als Stoßgebet trug: «Herr Jesus, wo willst Du, dass ich sein soll?». Tatsächlich war es dann in diesem Jahr, als mir wirklich bewusst geworden ist, was das christliche Leben war und ist: antworten auf die unermessliche Liebe, die sich im ganzen Leben Jesu offenbart, aber vor allem in seiner vollkommenen Hingabe am Kreuz für die Menschen. Tiefe Freude und Dankbarkeit erfüllen heute mein Herz, da ich meine Ewigen Gelübde ablegen kann!
In all den Jahren konnte ich nicht bloß bei der Geburt einer neuen Realität in der Kirche zuschauen, sondern auch daran teilnehmen. Pater Giovanni erinnert uns nämlich ab und zu, dass wir Mitbegründer der Bewegung seien. Das ist etwas, was sicherlich erschrecken kann. Angesichts der Anforderungen unseres Lebens komme ich mir klein vor, aber auch zugleich ermutigt durch das Zeugnis so vieler Personen, die sich an meiner Seite hochherzig einsetzen. Es ist dies kein einfacher Weg ohne Kreuze. Auch in den kritischsten Situationen dieser Zeit trug und trägt mich die Überzeugung, dass ich an einem Ort bin, wo die Wirklichkeit der Kirche gelebt wird. Ich danke Gott, dass es mir immer ganz klar gewesen ist, dass nur in der katholischen Kirche Jesus Christus ganz gegenwärtig ist. Indem man diese Gegenwart der Kirche und mit ihr die Gegenwart Christi zu den Armen trägt, empfängt man weit mehr als man gibt.
Ich danke allen Personen, denen ich täglich in der Bewegung begegnen durfte: den Kindern unserer Heime, den Einheimischen auf den verschiedensten Missionsfahrten, den jungen Menschen im Jugendgefängnis und so vielen Personen mehr, die mich stets erinnerten an das Bedürfnis der Welt nach der Liebe Gottes, die sich in Christus offenbart hat. Manchmal frage ich mich: «Welchen Trost kann ich ihnen geben? Welche Lösung für ihr Elend?» Ohne Glaube, ohne Gott, ohne die Überzeugung, dass die Armen einen bevorzugten Platz im Herzen Christi haben, würde ich mich nichts zu sagen trauen angesichts vieler Situationen von Elend und Armut, denen ich begegnet bin. Vor allem hoffe ich, in mir und durch mich immer mehr Gott sprechen zu lassen, da ich weiß, dass Gott allein der feste Fels ist und Er allein Worte des ewigen Lebens besitzt. Wie viele «menschliche» Versprechungen haben schon das Vertrauen unter den Menschen zerstört? Die Ewigen Gelübde, die ich bald ablegen darf, sind Ausdruck meines Vertrauens in den Herrn. Das Gewaltige daran ist, dass das nicht nur «menschliche» Versprechen sind: Es ist darin vor allem Gott selbst, der verspricht, aus mir einen echten Diener der Armen zu machen. Das ist es, was mir Frieden und Freude schenkt. Ich weiß, dass das, was ich den Armen geben werde, nicht meine begrenzten Kräfte sind, sondern dass es mein ganzes Sein ist, da Gott mir die Kraft dafür gibt, was ich selbst nicht vollbringen könnte.
Die Stadt der Buben «San Tarcisio» ist vor allem eine große Verheißung: Es wurde ein «materielles» Gebäude errichtet; aber jetzt bildet sich im Schoß der Kirche auch ein geistiges Gebäude, und das ist etwas unendlich Größeres und wird niemals zu Ende sein. Pater Giovanni sagt, wir müssen mit einer Tradition der Heiligkeit beginnen, denn heilig sein sei das Größte, was wir von der Kirche empfangen und den Armen geben können. Ich will mich dafür einsetzen, Heilige unter den Armen und unter unseren Kindern zu sehen, denn ich weiß, dass dies bedeutet, fröhlichen, von Frieden erfüllten Gesichtern zu begegnen. Der größte Reichtum, oder besser gesagt, der einzige Reichtum ist Gott.
«WER GOTT HAT, DEM FEHLT NICHTS; GOTT ALLEIN GENÜGT», sagte die hl. Theresia von Avila. Allen, die dieses kleine Zeugnis lesen, möchte ich sagen: ES LOHNT SICH, «JA» ZUM RUF GOTTES ZU SAGEN.
Jeden jungen Leser, der bis hierher gefolgt ist, möchte ich daran erinnern: «Auf dich warten so viele arme Leute, auf dass du ihnen Christus bringest!» Ich möchte schließen mit einem kleinen Gebet, das mich stets begleitet, seitdem ich die „Missionare, Diener der Armen der Dritten Welt“ kennengelernt habe: «O Maria, Mutter der Armen, nimm uns auf in Dein Herz und mache, dass unser Leben gebrochenes Brot sei für die Armen».
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